
Auf der Insel Rügen endet meine Erkundung
des dunklen Ostens mit überwiegend positiven Eindrücken. Inspiriert
von dem Kreidefelsenbild des romantischen Malers Casper David Friederich
wollte ich Rügen schon immer gerne mal besuchen und hatte
mir diese Etappe als Höhepunkt für den Abschluß meiner
Reise aufgehoben. Als Zugang verbindet bei Strahlsund eine
Brücke die Insel mit dem Festland und wirkt gleichzeitig als Nadelöhr.
Wer über diesen Weg auf die Insel will und nicht riskieren
möchte, daß seine Urlaubslaune schlagartig gedämpft wird,
der sollte vorsichtshalber eine Reservepackung Geduld im Gepäck
haben. Ist die Brücke einmal überwunden, wird man aber auch sofort
belohnt. Direkt hinter der Brücke wartet das Örtchen Altefähr
mit der ersten Attraktion. In dem Yachthafen des Ortes ist
coole Atmospäre angesagt, wirklich! Das Beste am Hafen ist aber die
Aussicht auf die Silhouette von Strahlsund. Nachdem Strahlsund aus
der Ferne und die Yachten von Altefähr ausgiebig aus der Nähe
bewundert worden sind, könnte man die bekannteste Attraktion der Insel,
die Kreidefelsen bei Sassnitz, auf dem schnellsten Weg über die B
96 ansteuern. Ich wollte jedoch zunächst den ebenfalls berühmten
Rügener Baumalleen folgen und wählte eine Nebenstrecke, die zu
den Badeorten im Südosten der Insel führt. Bei Binz, dem größten
Badeort, wechselte ich die Richtung und fuhr über die Küstenstraße
nach Norden in Richtung Sassnitz. Von der Küste und auch sonst sieht
man hier nicht besonders viel. Ich habe ich nicht schlecht gestaunt, als
ich hier zufällig und von meinem Reiseführer nicht erwähnt
auf die Überreste von Prora, einer Ferienanlage des dritten Reiches
für den kleinen Mann, gestoßen bin. Obgleich in großen
Teilen Ruine, erstreckt sich der Gebäudekomplex immer noch über
mehrere Kilometer in die Landschaft.. Hier sollte also staatlich geförderter
Urlaub geschehen. Ich hatte eher eine Assoziation von Anstalt, Krankenhaus
oder nicht endend wollendem Gefängnis. Wenn es 1945 zu einem gegenteiligen
Ergebnis gekommen wäre, müßte ich wohl an dieser Stelle
Kraft durch Freude tanken. Ein beklemmender Albtraum...bloß schnell
weiterfahren. Von Prora auf Größe und von C. D. Friederich
auf romantische Kreidefelsen eingestimmt, wollte ich jetzt endlich zum
absoluten Highlight, dem Königsstuhl, ein 117m hoher Kreidefelsen.
In Sassnitz ist der Weg zum Königsstuhl unübersehbar ausgeschildert.
Mir schien es so, daß die Ausschilderung nicht gradlinig zum Ziel
führt. Jedenfalls landet man auf einem Parkplatz, der selbstredend
gebührenpflichtig ist um dann festzustellen, daß der Felsen
erst nach einem Fußmarsch von mehreren Kilometern durch einen Wald
erreicht werden kann. Alternativ kann man natürlich auch einen
Transport buchen. Ja nun, dachte ich, sie sind halt geschäftstüchtig
hier. Nehme ich einfach mein Mountain Bike. Nach einer Weile verkündete
ein Schild am Wegesrand, daß Radfahren hier verboten ist. Für
einen Augenblick der Verblüffung stoppte ich und kam zu dem
Schluß, daß unmöglich die sportliche und viel eher die
charakterliche Variante des Radfahrens gemeint sein müsse und radelte
weiter. Am Ende des Weges wurde erneut kassiert. Nun war der Weg
frei, aber nicht zum Felsen. Als zusätzliche Vorschaltmaßnahme
fungierte ein Restaurant und bot dem um Euro und Cent erleichterten Wanderer
Gelegenheit zur weiteren Erleichterung. Schließlich sind sie gnädig
und gewähren dann doch Zutritt zu einer Aussichtsplattform.
Nach vielen Hindernissen an Ort und Stelle angekommen, belehrte
mich mein Reiseführer: Meide den dunklen Nachmittag und betrachte
den Felsen nur bei Sonnenschein am Vormittag !
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| Strahlsund |
Baumallee |
Prora |
Königsstuhl |
